Hob.I: 76
Sinfonien 1782-1784
Herausgeber: Sonja Gerlach und Sterling E. Murray; Reihe I, Band 11; G. Henle Verlag München
Hob.I:76 Symphonie in Es-Dur
Auch die Symphonie Nr. 76, die erste der Dreiergruppe, die wie Nr. 74 in Es-Dur steht, enthält viele Details, die den Kenner wie den Liebhaber gleichermaßen entzücken mussten: Im ersten Satz, der vom „drive“ der rollenden Unisono-Streicherfiguren geprägt wird, erklingt das Seitenthema zunächst „verfrüht“, nämlich als Nachsatz bei der Wiederholung des Hauptthemas. An der analogen Stelle der Reprise wird dies durch einen weiteren, kontrapunktischen Durchführungs-“Arbeitsgang“ korrigiert. Der zweite Satz, fünfteilig nach dem Schema A-B-A'-C-A''-(Coda), lebt ganz aus dem Gegensatz zwischen den graziösen „A“-Teilen (mit ihren sparsam eingesetzten variativen Elementen) und den heftig-aufgeregten Moll-Zwischensätzen „B“ und „C“. Auch der dritte Satz wird von einem Kontrast dominiert: Während sich „Menuet“ - die französische Schreibung deutet dies bereits an - ganz im „aristokratischen Geschmack“ hält, ist die Trio-Melodie (nach damaliger Terminologie) ein „Deutscher“: Dreißig Jahre später wird man „Ländler“ oder bereits „Walzer“ dazu sagen. Das Finale ist, untypisch bei Haydn, ein voll ausgeführter Sonatenhauptsatz in gemächlichem Tempo: Er steht und fällt mit seinem zierlichen Hauptthema, das von vielen Vorschlagsnoten geprägt ist, die dem Satz, äußerlich, eine spielerische Leichtigkeit vermitteln. Umso größer ist der Reiz, wenn der Zuhörer in der Durchführung wiederholt vor unerwartete Wendungen gestellt wird.
Analyse




Musiker
Anders als etwa bei den Opern lassen sich bei den Sinfonien, auf Grund ihrer unklaren zeitlichen Zuordnung, vollständige Besetzungs- bzw. Namenslisten der Orchestermusiker nicht anführen. Und es ist überhaupt nur bei einer der drei „Sinfonie-Schaffens-Phasen“ möglich, nämlich der mittleren Phase, jener am Hofe der Esterházys (1761-1781 letzte Sinfonie für das Esterház-Publikum) respektive 1790). Bei der ersten Phase, im Dienste des Grafen Morzin, also vor Esterházy (1757-1761) und der dritten Phase, jener danach (1782-1795) ist es überhaupt nicht möglich. Im Übrigen lässt sich die dritte Phase wiederum in drei Abschnitte gliedern: Jenen, in dem Haydn erstmals für ein „anderes“ Publikum als seines am Hofe Esterház komponierte (1782-1784), den Pariser Sinfonien (1785-1786) und den Londoner Sinfonien bis (1791-1795).
Namens- bzw. Gehaltslisten – und aus jenen wurde die Orchesterbesetzung „extrahiert“ - existieren also nur aus der Schaffensphase im Dienst der beiden Fürsten Esterházy, also von 1761 bis 1782.
Daher werden „nur“ jene Musiker angeführt, die im Dienste der beiden Fürsten Esterházy standen und mit Sicherheit über einen längeren Zeitraum in Haydns Orchester wirkten, quasi ein „All-Time – All-Stars-Orchester“. Ich behielt bei den betreffenden Musikern die Jahreszahl „-1790“ bei, da mit Sicherheit Haydn auch nach 1782 seine Sinfonien am Hofe zu Gehör brachte.
Flöte | Franz Sigl 1761-1773 |
Flöte | Zacharias Hirsch 1777-1790 |
Oboe | Michael Kapfer 1761-1769 |
Oboe | Georg Kapfer 1761-1770 |
Oboe | Anton Mayer 1782-1790 |
Oboe | Joseph Czerwenka 1784-1790 |
Fagott | Johann Hinterberger 1761-1777 |
Fagott | Franz Czerwenka 1784-1790 |
Fagott | Joseph Steiner 1781-1790 |
Horn (spielte Violine) | Franz Pauer 1770-1790 |
Horn (spielte Violine) | Joseph Oliva 1770-1790 |
Pauke oder Fagott | Caspar Peczival 1773-1790 |
Violine | Luigi Tomasini 1761-1790 |
Violine (Stimmführer 2. Vl) | Johann Tost 1783-1788 |
Violine | Joseph Purgsteiner 1766-1790 |
Violine | Joseph Dietzl 1766-1790 |
Violine | Vito Ungricht 1777-1790 |
Violine (meist Viola) | Christian Specht 1777-1790 |
Violoncello | Anton Kraft 1779-1790 |
Violone | Carl Schieringer 1768-1790 |
Medien
Anatol Dorati
Joseph Haydn
The Symphonies
Philharmonia Hungarica
33 CDs, aufgenommen 1970 bis 1974, herausgegeben 1996 Decca (Universal)



