Eleonore Jäger Eleonore Jäger (geboren um 1721, gestorben am 15. Mai 1793) war die dienstälteste Sängerin als Haydn angestellt wurde. Sie wurde bereits am 15. November 1753 unter dem Kapellmeister Gregor Werner als Altistin eingestellt, mit der Möglichkeit, auch als Sopran zu wirken, und erhielt vermutlich auch von Werner Unterricht3. Sie wechselte aber 1761 aus nachvollziehbaren Gründen der Qualität nicht wie manche ihrer späteren Kolleginnen und Kollegen von der Chormusik in die Kammermusik. Jäger blieb bis zu ihrem Tod im Dienst des Fürstenhauses und Haydn schätze sie außerordentlich, was nicht zuletzt sein Brief vom 1776 beweist4. Ihr einziger Einsatz in einer Oper Haydns fand in der Festa teatrale Acide 1763 statt. Bereits bei der erfolgten Wiederaufnahme am 25. September 1774 war sie nicht mehr im Ensemble. Wohl aus Altersgründen musste Haydn von einem erneuten Einsatz absehen. Ihre Rolle der Tetide aus dem Jahre 1763 schrieb Haydn für die Fassung 1773/74 in die Rolle des Nettuno um und vertraute diese Christian Specht an. Verdient machte sich Jäger später um ihre Bemühungen, das in künstlerische Schwierigkeiten geratene Kirchenmusikensemble zu halten. | alto |
Barbara Fux-Dichtler Barbara Fux (Fichsin) (unbekanntes Geburtsdatum, gestorben am 19. September 1776 auf der Bühne) erhielt ab 1. Juli 1757 für ein kleines Gehalt5 eine Position als Chorsängerin. Ihr Gehalt steigerte sich aber schon recht bald und laufend, was Ihre spätere Bedeutung nur unterstreicht. Bis 1774 hatte sich ihr Gehalt verzehnfacht6! Fürst Paul Anton engagierte die talentierte Sängerin sicher schon im Hinblick auf einen kontinuierlicheren Opernbetrieb7. Im Mai 1761 wechselte sie als Diskantin wie viele ihrer Kollegen in das Kammermusikensemble. 1764 heiratete Barbara Fux den Tenor Leopold Dichtler. In der Folge wurde sie dann mit Barbara Fux-Dichtler angeführt. Laut der historisch-kritischen Theaterchronik von Wien hatte Fux-Dichtler „eine helle und ausgiebige Theaterstimme“ und fiel offensichtlich auch durch ihre Schauspielerei positiv auf. Haydn schrieb für sie die Rollen - der Glauce in Acide
- des Don Ettore, einer Hosenrolle in La canterina
- des Volpino, ebenfalls einer Hosenrolle in Lo speziale
- der Nerina in Le pescatrici
- der Sandrina in L’infedelà delusa und
- der Balkis in L’incontro improvviso.
- Außerdem übernahm sie den Alt im 1767 entstandenen Oratorium Stabat Mater.
Traurige Berühmtheit erlangte sie durch ihr Ableben auf der Bühne: Während einer Vorstellung zu Antonio Sacchinis "L’isola d’amore", in der sie die Rolle der Belinde verkörperte, brach sie am 19. September 1776 tot auf der Bühne zusammen. | soprano |
Carl Friberth Mit Carl Friberth (geboren 1736, gestorben am 16.8. 1816) wurde am 1. Jänner 1759 unbestritten einer der wichtigsten Schlüsselfiguren in Haydns späterem Ensemble engagiert. Friberth sollte sich aber nicht nur als exzellenter Sänger erweisen. Er wurde als "Hof Musicus", als Tenorist, noch in die Chormusik aufgenommen. Es war aber von Anfang an klar, dass er nur für die Kammermusik und für die Oper vorgesehen war. Sein jährliches Gehalt von 300 Gulden8, das nach jenem des damaligen Kapellmeisters Gregor Joseph Werner das zweithöchste war, unterstreicht seinen Rang. Auch er wechselte 1761 in den Dienst der Kammermusik. Neben seiner sängerischen Tätigkeit trat er immer wieder als Bearbeiter von Libretti in Erscheinung und übersetzte bzw. bearbeitete selbst ein Libretti aus dem Französischen ins Italienische: Jenes von Glucks Oper La rencontre imprévue (1764), dem späteren Dramma giocoso L’incontro improvviso. Als Tenor verfügte er offenbar über einen großen Tonumfang, parierte schwierige Intervalle und Sprünge und meisterte auch Koloraturen bravourös. Eine der ersten Partien, die Friberths enormes Talent beweisen, ist der Don Pelagio in dem 1766 uraufgeführten Intermezzo La canterina. Die erste große Szene mit der Arie Io sposar l'empio tiranno verlangt vom Sänger außerordentliche Qualität. Schon Fürst Anton Paul setzte auf Friberth. Gemeinsam mit Luigi Tomasini, dem späteren Konzertmeister Haydns, schickt er ihn 1759 auf eine Studienreise in die "Opernhauptstadt" Venedig. Haydn bedachte Friberth mit folgenden Rollen: - Acide in der gleichnamigen Oper
- Don Pelagio in La canterina
- Sempronino in Lo speziale
- Frisellino in Le pescatrici
- Filippo in L’infedelà delusa.
- Außerdem übernahm er den Tenor im 1767 entstandenen Oratorium Stabat Mater.
- 1775 wurde Friberth mit der Rolle des Tobia im Oratorium Il ritorno di Tobia bedacht.
- Die Rolle des Ali in L’incontro improvviso schrieb sich Friberth mit seiner Libretto-Übersetzung bzw. Bearbeitung selbst auf den Leib.
Aber Friberth hatte vermutlich schon bei La canterina, Lo speziale, Le pescatrici und L’infedelà delusa die Libretti für Haydn bearbeitet. Ganz besonders deutlich erkennt man die Bearbeitung in Le pescatrici. Kürzungen betrafen alle anderen Sänger nur nicht seine Frau und ihn selbst. Ganz im Gegenteil, seine Frau erhielt in dieser Oper, in der Rolle der Lesbina, eine zusätzliche Arie, eine mehr als im Original-Libretto vorgesehen war. Von den fünf Arien mit neuen Texten erhielt seine Frau Magdalena drei! Und wie schon erwähnt, gipfelte seine Meisterschaft als „Librettobearbeiter“ im eigenen Libretto für die Oper L’incontro improvviso. Haydn musste Friberth über alle Maßen geschätzt haben, wie es ein besonderes Ansinnen des Komponisten formuliert, als er sich ausdrücklich Friberth für sein "Stabat Mater" wünscht, das aber auch einen kleinen Einblick in die Sängerszene Wien erlaubt9. 1769 heiratete Carl Friberth die ebenfalls im Dienste des Fürsten stehende Sopranistin Magdalena (Maddalena) Spangler. Warum Friberth am 1. Jänner 1776 noch einen neuen Vertrag unterschrieb, dann aber den Abgang mit seiner Frau doch schon am 22. Mai 1776 besiegelte, ist ein kleines Rätsel. Natürlich zeichneten sich die Umbrüche hin zur 2. Phase bereits ab. Der Fürst wird bereits seine Pläne zur Auswechslung des mehr oder weniger gesamten Ensembles kundgetan haben. Das Ensemble der 2. Periode wurde ja Großteils mit italienischen Sängerinnen und Sängern besetzt. Hätten die Friberths im neuen Team nicht bestehen können? Verließ er deswegen die Hofkapelle? Oder wusste er schon, dass er im Falle einer "Verlängerung" seine angesehene Position einbüßen könnte? Jedenfalls verließ er den Hof mit seiner Frau Magdalena in Richtung Wien, um dort künstlerisch eigene Wege zu gehen. Dass sich Haydn und Friberth aber nicht aus den Augen verloren und offensichtlich ein enges freundschaftliches Verhältnis pflegten, bewies das kurzfristige Einspringen Friberths in Haynds "Il ritorno die Tobia" im Jahre 1784 für einen abgesprungenen Sänger. In diesem Oratorium hatte er schon 1775 bei der Uraufführung die Titelpartie übernommen10. | tenor |
Anna Maria Scheffstoss Anna Maria Scheffstoss, spätere Weigl, (andere Schreibweisen wie Maria Anna oder Marianna bzw. Scheffstos oder auch Scheffstoß) wurde im Juni 1760 als „Diskantin“ noch in die Kapelle Chormusik eingestellt und wechselte 1761 ebenfalls in die Kammermusik. Carl Ferdinand Pohl, jener Musikschriftsteller, der als erstes ziemlich umfassend Haydns Leben und Werk zusammenfasste, beschrieb sie als dem Tenor Carl Friberth "ebenbürtig" und benannte beide als "bedeutsamsten Zuwachs"11. Diese Sängerin ist ein gutes Beispiel, wie die Meinungen mancher Wissenschaftler divergieren, denn abgesehen vom amüsanten Faktum, dass ihr Nachname in mehrfacher Schreibweise existiert, enthielt ihr Denes Bartha, der Verfasser des Standartwerkes „Haydn als Opernkapellmeister“, eine fundierte sängerische Ausbildung vor12. Ich folge hier eindeutig Tanks Einschätzung, dass dem so nicht sein konnte: Die Rollenbesetzungen sprechen eine deutliche Sprache und auch ihre späteren Erfolge am Wiener Hoftheater können nicht auf ein reines Naturtalent zurückzuführen sein13. Scheffstos verfügte über eine große und flexible Stimme, was ihre Rollen in Haydns Opern unter Beweis stellen. Ihr schrieb er die zwei Rollen - der Galatea in Acide
- und der Gasparina in La canterina auf den Leib.
- Außerdem übernahm sie den Sopran im 1767 entstandenen Oratorium Stabat Mater.
Warum sie nicht schon in Lo speziale 1768 mitgewirkt hat, ist ein Rätsel. In dieser Oper trat schon die als dritte Diskantin eingestellte Magdalena Spangler, spätere Friberth, in Aktion. Ich kann Pohls Einschätzung nur unterstreichen: Vom Aspekt der Rollen her zu beurteilen, verfügte Scheffstoss–Weigl über ein nicht minder großes sängerisches Potential. Mag hier Carl Friberth sein Händchen im Spiel gehabt haben? Ende Mai 1769 quittierte sie schließlich ihren Dienst am Hofe. Hatte sie genug von Intrigen (siehe Lo speziale) oder/und hatten sich ihre Qualitäten doch herumgesprochen? Denn nach ihrem Abgang vom fürstlichen Hof machte sie weiterhin in Wien am Hoftheater Karriere, zum Beispiel in Glucks Opern "Alceste und Iphigenia". 1773 verabschiedete sie sich schließlich endgültig von der Bühne. Maria Anna Scheffstoss heiratete 1764 den ausgezeichneten, von Haydn mit vielen Soli bedachten Cellisten Joseph Weigl, der am 1. Juni 1761 eingestellt wurde. | soprano |
Melchior Griessler Melchior Griessler (geboren 1727, gestorben am 13. Jänner 1792) war der letzte Sänger, der noch im Majorat des Fürsten Anton Paul engagiert wurde. Griessler wurde am 1. Juni 1761 zwar als Kammermusiker aufgenommen, kam in selbiger aber selten zum Einsatz. Wenn dann offensichtlich doch "Not am Bass" war, zog ihn Haydn für seine Opern heran. Das geschah mit zwei Rollen und insgesamt dreimal: - als Polifemo in Acide von 1763 und später bei der Wiederaufnahme 1774 sowie
- als Sultan in L’incontro improvviso von 1775.
Griessler verfügte über einen soliden Bass und war mit Sicherheit eine wesentliche Stütze in der Chormusik. | bass |
Leopold Dichtler Leopold Dichtler (geboren um 1739, gestorben am 15. Mai 1799), wurde als Tenorist am 1. Februar 1763 angestellt14. Dichtler schied am 27. August 1788 aus dem Dienst aus und war mit 25 Jahren der am längsten dienende Sänger überhaupt. Der historisch-kritischen Theaterchronik von Wien folgend war Dichtler „ein guter komischer Akteur. Sein Spiel passend und natürlich ...“. Diese Kritik klingt jetzt nicht überschwänglich. Doch musste Haydn in Dichtler nicht nur einen verlässlichen Interpreten für seine Rollen gefunden haben, sondern auch einen wichtigen Mitarbeiter, loyalen Kollegen und wohl auch treuen Freund. Jeder Dirigent weiß, wie wichtig diese integrativen Figuren in einem Team sind. Sie verbinden und federn ab. Ich schätze Dichtler als einen derartigen Kollegen ein: Nicht mit grandiosester Sangeskunst bedacht, war sein Tonumfang doch beachtenswert. Gerade in der Oper L’infedeltá kostete Haydn das aus: In seiner f-Moll-Arie Non v’è rimedio singt er vom F’-f’. Jedenfalls war er über alle Perioden hinaus eine wesentliche Stütze im Ensemble Haydns. Haydn setzte Dichtler in seiner 25 jährigen Sängerkarriere in etwa 60 Bühnenwerken15 ein und bedachte ihn bei seinen eigenen Opern mit folgenden 8 Rollen: - Apollonia, einer „komischen“ Frauenrolle in La canterina
- Mengone in Lo speziale
- Burlotto in Le pescatrici
- Nencio in L’infedeltá delusa
- Osmin in L’incontro improvviso
- Cecco in Il mondo della luna
- Masino in La vera costanza
- Lindoro in La fedeltà premiata
- Licone und Caronte in Orlando paladino
- sowie Clotarco in Armida.
- Außerdem übernahm er den Bass im 1767 entstandenen Oratorium Stabat Mater.
Das bedeutet, dass Dichtler in 10 der 12 erhaltenen Esterház-Opern mitgewirkt hat. Lediglich in Acide, die noch vor seinem Engagement gespielt wurde, und interessanterweise in der Azione teatrale L’isola disabitata wirkte er nicht mit. Bei aller Wertschätzung hatte Haydn in diesem ernsten „Kammerspiel“ L’isola disabitata (1779) keine Verwendung für den komischen Charakter Dichtler. Es sollte aber auf keinen Fall unerwähnt bleiben, dass Dichtler Haydn manchmal auch als Noten-Kopist helfend zur Seite sprang16, natürlich auch, um das Gehalt etwas aufzubessern. Es nimmt daher nicht wirklich Wunder, dass Haydn im Jahre der Pensionierung Dichtlers 1788 auch die Aufführung seiner eigenen Opern beendet. Es war eine Aufführung der Armida im November 178817! Danach erhielt Dichtler eine Pension, wechselte aber 1792 wieder in den aktiven Dienst und zwar als Kontrabassist im kleinen Orchester des Fürsten Anton, Sohn des Fürsten Nikolaus, dem Prachtliebenden. DETAILS ZUM DARSTELLER Stimmlage: Tenor Stimmumfang: H-a' - Il mondo della luna; Cecco: Arien: 2(G-Dur, G-Dur)
- La vera costanza 1779; Masino: Introduzione: 1, Arien: 1 (F-Dur), Duett: 1 (mit Villotto)
- La fedeltà premiata I+II; Lindoro; Introduzione: 1, Arien: 2 (A-Dur, F-Dur)
- Orlando paladino; Licone und Caronte: Introduzione (Licone): 1, Arien (Caronte): 1 (D-Dur)
- Armada; Clotarco: Arien: 1 (G-Dur)
- La vera costanza 1785; Masino: Introduzione: 1, Arien: 1 (F-Dur), Duett: 1 (mit Villotto)
| tenor |
Magdalena Spangler-Friberth Magdalena Spangler (geboren am 4. September 1750 und gestorben am 29. August 1794), spätere Friberth, trat am 1. Oktober 1768 in den Dienst der Kammermusik ein wurde dort als "dritte Diskanten"18 angeführt. Laut Pohl soll hier Haydn beim Fürsten empfehlend nachgeholfen haben; Spangler war für seine Pläne wichtig. Weiters dürfte eine frühere Verpflichtung gegenüber dem Vater, der Haydn nach dem Abgang von den Sängerknaben unterstützt hat, hier eine Rolle gespielt haben19. Auch der Fürst scheint von ihrem Können angetan gewesen zu sein. Sie verfügte offenbar über großes sängerisches Talent, was auch anhand der ihr zugedachten Rollen erkennbar ist, die große Tendenzen in eine besonders virtuose Ausprägung zeigen. Spanglers Engagement fällt ganz offensichtlich in jene Zeit der I. Periode, in der ein intensiverer Opernbetrieb festzustellen war. Haydn bedachte sie in ihren Rollen mit anspruchsvollen Intervallsprüngen und schwierigeren Koloraturen. So verlieh sie den Rollen - der Griletta in Lo speziale
- der Lesbina in Le pescatrici
- der Vespina in L’infedeltà delusa und
- der Rezia in L’incontro improvviso Charakter.
- 1775 wurde die Friberth mit der Rolle des Raffaelle im Oratorium Il ritorno di Tobia bedacht.
1769 heiratete sie Carl Friberth, mit dem sie am 22. Mai 1776 den Hof in Richtung Wien verlässt. Noch 1775 sang sie, ebenfalls mit Ihrem Ehemann, in "Il ritorno di Tobia" die Rolle der Sarah. Da sie danach nicht mehr öffentlich auftritt, verliert sich ihre Spur. | soprano |
Christian Specht Christian Specht (geboren 1742, gestorben am 29. Dezember 1808) wurde am 1. Oktober 1768 als Bassist in die Kammermusik aufgenommen. Ab 1777 versah er vorzugsweise Dienst als Bratschist im Orchester, obwohl er weiterhin als Sänger in den Gehaltslisten angeführt wurde. Dieser Umstand versprach ein besseres Gehalt. Specht dürfte nicht der beste Sänger gewesen sein und sein Einsatz war auf etwa 8 Opern beschränkt. Dennoch bedachte ihn Haydn mit gewissen Charakteren20 und wusste genau, was er ihm zutrauen wollte. So wurde Specht in der Rolle des - Lindoro in Le pescatrici
- und als Nanni in L’infedeltà delusa eingesetzt
- außerdem in der neu geschaffenen Rolle des Nettuno in der wiederaufgenommenen Acide 1774 (statt Eleonore Jägers Tetide)
- sowie als Calando in L’incontro improvviso.
Überdies kam Specht wie das Ehepaar Friberth in der Uraufführung des Oratoriums "Il ritorno di Tobia" in der Rolle des Tobias zum Einsatz. Nach dem Tod Melchior Griesslers 1790 nahm Specht als Bassist dessen Position in der Chormusik ein. | bass |
Gertruda Cellini Gertruda Cellini (geboren um 1745, gestorben nach 1772) trat als "Virtuose"21 ihren Dienst am 1. August 1769 in der Kammermusik an. Sie war gemeinsam mit Giacomo Lambertini, der ebenfalls als "Virtuoso di Canto"21 bezeichnet wurde, die erste Sängerin aus Italien. Doch schon Ende April 1772 quittierte sie wieder ihren Dienst, weshalb sich für sie nur eine Rolle in einer Oper Haydns ausging, - die der Eurilda in Le pescatrici.
Da gerade ihre Rolle im unvollständig erhaltene Autograph der Oper fehlt und auch keine Abschrift über deren Charakter Auskunft gibt, fehlen uns wichtige Hinwiese über ihre Sangeskunst. Die kurze Zeit der Beschäftigung am Hofe deutet darauf hin, dass die künstlerische Arbeit zwischen ihr und Haydn nicht die fruchtbarste war. | soprano |
Giacomo Lambertini Giacomo Lambertini (Geburtsdatum unbekannt, gestorben um 1785) machte nur kurzeitig am Hof Station, dafür aber gleich dreimal. Er wurde am 15. August 176922 das erste Mal eingestellt, verließ den Hof aber Ende Juni 1770 wieder, um am 1. März 1778 ein zweites Mal für zwei Jahre zu kommen und am 31. März 1779, nach nur einem Jahr, erneut den Dienst zu quittieren, den er am 15. Juni 1782 ein drittes Mal antrat. Bezüglich der Engagements herrscht aber zwischen den Haydnforschern Uneinigkeit. Was definitiv nicht sein kann, ist der Umstand, dass Lambertini seinen Dienst am 15. August 1770 quittierte und am 16. September 1770 dennoch Le pescatrici sang. Ein anderes Dokument belegt hingegen, dass Lambertini noch am 18. September 1770 ein Geldgeschenk erhielt23. Auch dieses Mal schied Lambertini schon ein halbes Jahr später, mit Ende November 1782, wieder aus. Beständigkeit war seine Sache nicht. Doch ganz offensichtlich fand der Fürst Gefallen an den sängerischen Leistungen Lambertinis. Haydn wiederum sah das wohl anders, da er ihm nur eine Rolle zudachte, - jene des Mastricco in Le pescatrici.
Bezeichnenderweise ist das eine Oper aus der I. Periode, während Lambertinis erstem Aufenthalt. Danach besetzte ihn Haydn nicht mehr in seinen Opern. Die Vermutung liegt nahe, dass Lambertini zu unstet war und sich Haydn auf ihn nicht verlassen konnte. Dabei war der "Virtuoso di Canto"21 offensichtlich vor seinem ersten Engagement ein gefragter Sänger, wie es Beschäftigungen in Venedig (1762/1763) Turin und Verona (1765) oder gar in Deutschland wie Regensburg (noch vor 1762) untermauern. Nach 1782 verliert sich seine Spur. | bass |
Elisabeth Prantner Elisabeth Prantner (Geburtsdatum unbekannt, gestorben um 25. Oktober 1780) war die letzte Sängerin, die in Haydns I. Periode engagiert wurde. Sie trat in seiner letzten Oper aus dieser Periode, - als Dardane in L’incontro improvviso in Erscheinung.
Prantner wurde am 1. August 1774 aufgenommen, zu einer Zeit, als noch keine Italiener angestellt waren. Doch „markierte“ sie schon den Übergang zu den späteren, „noch besseren“ Sängern. In dieser Oper hatte sie nur eine Arie im 2. Akt (Ho promesso oprar destrezza) sowie ein Terzett im 1. Akt (Mi sombra un sogno mit Rezia und Balkis) zu singen, doch die Arie hatte es in sich und zeugt von einem enormen Stimmumfang von (fis1-h2), einer Leichtigkeit (zwei Fermaten auf a2 mit Verzierungsmöglichkeit) und Höhe in der Stimme Prantners. Die Sängerin war sonst noch in mindestens zwölf Opern im fürstlichen Opernhaus auf Schloss Esterház zu hören. Warum sie nicht in weiteren Opern Haydns mitwirkte, ist unbekannt. Bis zu ihrem Tod 1780 hätte Haydn zumindest die Möglichkeit gehabt, sie sowohl in Il mondo della luna als auch in La vera costanza mitwirken zu lassen. | soprano |